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Interview Peter Bühler

Mi 26.02.2014 14:13
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Peter, wie bist du zur Jubla und deinen Job als Präses gekommen?

Vor etwas über 20 Jahren habe ich mit ein paar Jugendlichen und der Hilfe des Gemeindeleiters die Jugendgruppe Schwarzenberg gegründet. Das war der Vorgänger der Jubla. Irgendwann habe ich die Gruppe verlassen, bin aber noch ein paar Mal in ein Lager gegangen um zu kochen. Diese Lager wurden bereits als Jubla angeboten. Vor etwa drei Jahren hat mich der Gemeindeleiter das erste Mal angefragt, ob ich Lust hätte Präses zu werden, da mich die jugendlichen Leiter vorgeschlagen hatten. Dies hat erst noch etwas in mir reifen müssen. Ich habe dann das Modul „Beraten und Begleiten“ belegt und bin jetzt seit gut einem Jahr zurück in der Jubla.

Die Präsesfunktion ist ja keine 100% Stelle. Welchen Beruf übst du hauptberuflich aus?

Für mich sind das zwei verschiedene Welten. Das Präsesamt ist für mich wie ein Hobby, bei dem ich ein Teilpensum von etwa 5% habe. Es hat mit meinem eigentlichen Beruf kaum etwas zu tun. Es ist eine Abwechslung. Ich arbeite als Konstrukteur in einer Elektronikfirma. Wir konstruieren und entwickeln Geräte, sind also in der Forschung und Entwicklung tätig. Dies beinhaltet vor allem Büroarbeit, die aber auch eine kreative Komponente hat. Das kommt mir auch als Präses zugute. Man braucht neue Ideen in der Entwicklung und lernt auch das Althergebrachte loszulassen um neue Wege zu finden.

Erzähl von deiner Arbeit bei der Jubla!

Die Schar ist so organisiert, dass hauptsächlich die Scharleiter, meist Jugendliche und junge Erwachsene um die 20 Jahre, das Ganze leiten und ich so etwas wie der moralische Beistand bin. Allerdings macht nicht jeder Präses das Gleiche, es variiert von Schar zu Schar und gewisse Leute begleiten auch mehrere Scharen. Ich bin einfach immer da und gehe mit ihnen ins Lager. Es ist wichtig, dass sie jemanden haben, der ihnen zuhört und interveniert, wenn sie etwas übertreiben oder gewisse Gefahren nicht sehen. Häufig habe ich mehr die Aufgabe besorgte Eltern zu beruhigen, die gerne eine erwachsene Kontaktperson haben. Ich schaue auch, ob die Jugendlichen Probleme haben. Dies ist auf dem Land allerdings seltener der Fall als zum Beispiel in städtischen Gebieten. Oft vermittle ich auch zwischen den Eltern und den Jugendlichen, die zum Teil unorthodoxe Vorgehensweisen haben, die man den Eltern erklären muss. Ich bin also quasi Vermittler.

Welchen Teil deiner Arbeit magst du am liebsten?

Als ich von der Jubla weggegangen bin, habe ich gemerkt, wie der Kontakt zu den Jugendlichen verloren ging und ich die jüngeren Generationen nicht mehr kannte. Mir macht die Jubla allgemein Spass und ich arbeite gerne mit den Jugendlichen zusammen. Meine zwei Kinder besuchen auch die Gruppenstunden der Jubla. Kinder geben einem irgendwie einfach so viel zurück. Anders als die Erwachsenen haben sie nicht so viele Erwartungen an einem.

Wieviel Platz nimmt der Glaube in deiner Arbeit ein?

Ich habe den Eindruck, dass die Jugendlichen das nicht brauchen. Jedenfalls nicht oberflächlich gesehen. Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass ich erst seit einem Jahr als Präses dabei bin und dieses Jahr zum ersten Mal mit ihnen ins Lager gehe. Man versucht den Glauben anzusprechen und christliche oder überhaupt religiöse Gedanken einfliessen zu lassen. Ich versuche auf meine Art den Glauben zu vermitteln. Was ich gemerkt habe ist, dass sie nicht einfach auswendig gelernte Tischgebete herunterleiern, sondern eigene Gedanken und Rituale entwickeln wollen. Ich unterstütze sie dabei, ihren eigenen Glauben zu suchen und zu finden, weise sie aber darauf hin, dabei vorsichtig zu sein. Das Wichtigste ist ja, dass der Glauben einen stützt und Hoffnung spendet.

Was hast du aus dem Bildungsgang Kirchliche Jugendarbeit belegt - und was hast du dabei gelernt?

Ich habe das Modul „Beraten und Begleiten“ in Kombination mit einem Neupräsidentag besucht. Es ging um Krisenintervention, also das Erkennen und den professionellen Umgang mit Problemen. Wichtig dabei ist besonders das aktive Zuhören und dass man die Jugendlichen ernst nimmt, auch bei nichtig erscheinenden Problemen. Ein wichtiges Thema war auch die Reflexion. Ich konnte enorm davon profitieren, über mein eigenes Handeln nachzudenken und es einzuordnen. Es war interessant, sich mit anderen Leuten auszutauschen und ich habe gemerkt, dass Viele ähnliche Ansichten und Meinungen haben wie ich. Manchmal zweifelt man an der Kirche, wenn man sich am verknöcherten Bild aus Rom orientiert. Aber glauben passiert hier, das haben sie uns beigebracht. Wir haben auch viele Fallbeispiele durchgespielt und dabei gelernt, wie man auf Jugendliche eingeht. In meinem Fall ist das nicht ganz so wichtig, aber zum Teil waren auch Profis dabei, die haarsträubende Geschichten erzählt haben. Der Austausch war also auch sehr interessant.

Was zeichnet den Bildungsgang Kirchliche Jugendarbeit speziell aus?

Wie gesagt, ich habe nur ein Modul gemacht. Ich finde es aber sehr gut, dass sich jemand mit diesem Thema befasst und Leute in diesem Bereich ausgebildet werden. Vor allem im zweiten Kursteil ging es auch darum, wie man Glauben vermittelt. Aber auch der rechtliche Aspekt der Jugendarbeit war sehr bereichernd. Der zweitägige Kurs fand in einem Kloster statt, was ich sehr speziell fand. Man konnte also auch abends ausserhalb des Moduls miteinander sprechen und Erfahrungen austauschen. Ich würde jedem empfehlen dort zu übernachten, da man viel davon profitieren kann.

Interview Martin Trüb

Fr 24.01.2014 17:33

Martin, bevor Du in der Jugendarbeit gearbeitet hast, warst du als Plattenleger angestellt. Wie ist es zu dieser Veränderung gekommen?

Bei der Firma, bei der ich gearbeitet habe, war ich bereits für die Ausbildung der Lehrlinge zuständig. Mir hat das immer sehr gut gefallen. Als ich konkret für die neugeschaffene Stelle als Jugendarbeiter angefragt worden bin, habe ich zugesagt.

Wie hat dein Umfeld auf diesen Entscheid reagiert?

Viele fanden meinen Entscheid sehr mutig. Andere sind auf mich zugekommen und meinten: „Du hast ja Nerven!“. Dem stimme ich grundsätzlich zu. Nerven braucht meine Arbeit definitiv. Aber trotzdem habe ich seit dem Tag, an dem ich Jugendarbeiter geworden bin, keine einzige Platte mehr verlegt.

Was hast du aus dem Bildungsgang Kirchliche Jugendarbeit mitnehmen können?

Jugendarbeit an sich ist eigentlich ein wenig ein einsamer Job. Die Jugendlichen sind alles Kollegen von dir. Aber es sind keine Freunde. Manchmal komme ich mir vor, wie auf einer einsamen Insel. Umso schöner ist es dann, wenn man an einen Ort kommt wie den Bildungsgang Kirchliche Jugendarbeit, wo die Leute einander verstehen. Neben dieser tollen Vernetzung mit anderen Jugendarbeitern gab mir die Ausbildung sehr viel Material für meine tagtägliche Arbeit. Der Anspruch bei allem was mir beigebracht wurde war, dass ich es gleich auch in meiner Arbeit umsetzen kann.

Wie hast du persönlich die Struktur der Ausbildung empfunden?

Während weniger Tage erhält man die volle Dosis. Die Betreuung ist wirklich ausgezeichnet. Gute Gespräche werden von den Kursleiterinnen und -leitern richtig gelebt. Während der Ausbildung werden einem ganz viele verschiedene Fenster geöffnet. Erst da habe ich gemerkt, wie viel eigentlich möglich ist. Ein konkretes Beispiel ist das Thema Gender. Ich würde heute nie mehr ohne eine weibliche Ansprechperson für junge Frauen in ein Ferienlager reisen. Die Ausbildung hat mich für dieses Thema sensibilisiert.

Wem würdest du den Bildungsgang Kirchliche Jugendarbeit empfehlen?

Alle Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter, welche eine Ermutigung in ihrem Job gebrauchen können. Die Ausbildung vermittelt sehr viele Inhalte.

Könntest du ein Beispiel aus der Ausbildung nennen, welches du in deiner Arbeit umsetzen konntest?

Während der Ausbildung musste ich mehrere Male eine Arbeit zu Themen verfassen, welche ich zuvor überhaupt nicht kannte. Eine dieser Arbeiten behandelte das Thema „Rituale“. Ich habe ein Ritual mit einer von mir betreuten Gruppe von Jugendlichen durchgeführt. Es ging darum, ein Projekt, welches zum Schluss schwierig geworden war, zu einem guten Abschluss zu bringen. Dazu haben wir einen Topf mit Farben in den Fluss geschüttet. Jede Farbe stand für ein bestimmtes Gefühl. Es war sehr speziell, als ich sah, dass genau jene Farbe im Topf geblieben war, welche für Liebe und schöne Momente stand. Ein Ritual wie dieses hätte ich ohne den Kurs nie im Leben durchgeführt.

 

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Interview Jutta Rupf

Do 23.01.2014 17:41

Jutta, weswegen hast du dich für den Bildungsgang Kirchliche Jugendarbeit entschieden?

Bevor ich mit der Ausbildung begonnen habe, unterrichtete ich bereits Mittelstufenschüler. Als es darum ging, auch Schülerinnen und Schüler der Oberstufe zu unterrichten, merkte ich, dass ich mehr Wissen brauche. Für mich stellte sich insbesondere die Frage, wie ich die Jugendlichen begeistern kann. Zufällig bin ich zu dieser Zeit auf einen Flyer des Bildungsganges Kirchliche Jugendarbeit gestossen.

Was denkst du, würde dir heute fehlen, wenn du die Ausbildung nicht besucht hättest?

Ich habe in den Modulen gemerkt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Unter den Jugendlichen ist die Glaubensfrage sehr präsent. Dabei geht es nicht nur um Jugendarbeit, sondern auch um das Hadern mit dem Glauben. Ich hatte während der Ausbildung sehr viele gute Erlebnisse, welche ich mitnehmen konnte. Zum Beispiel haben wir einmal einen Ausflug auf den Uetliberg gemacht. Eine Nachwanderung beleuchtet von Teelichtern hat mich Spiritualität erleben lassen.

Was hast du von der Ausbildung für deine tagtägliche Arbeit mitnehmen können?

Ich bin ein absoluter Naturmensch. Wenn meine Schüler/innen bei mir ankommen und von der Schule und ihrem Alltag sehr müde sind, gehen wir als Erstes nach draussen. Während der Ausbildung habe ich Methoden kennen gelernt, was man in solchen Situationen machen kann.

Gab es während der Ausbildung Dinge, die dir schwerer gefallen sind?

Unter allen Modulen, welche man im Laufe der Ausbildung belegt, ist auch „Jugendarbeit mit Konzept“ enthalten. Es ist mir nicht immer leicht gefallen, meine Arbeit in einem Konzept festzuhalten. Vielleicht weil ich es mir auch nicht gewohnt war, denn ich habe einen praktischen und weniger einen theoretischen Hintergrund.

Wie lange warst du bereits im Beruf aktiv, bevor du die Ausbildung besucht hast?

Im Jahr 1998 habe ich begonnen Erstklässler zu unterrichten. Danach kam die Mittelstufe dazu. Mein ursprünglicher Beruf ist Krankenschwester, allerdings habe ich seit ich in der Schweiz lebe nicht mehr in diesem Bereich gearbeitet - und das sind in der Zwischenzeit doch 15 Jahre.

Du hast deine Ausbildung in einem Alter begonnen, in welchem die meisten Leute keine neue Ausbildung mehr in Angriff nehmen. War das eine Schwierigkeit?

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Jugendarbeit nichts mit dem Alter, sondern mit der Einstellung zu tun hat. Meine Lebenserfahrung, die ich mitbringe, kann den Jugendlichen auch weiterhelfen. Meiner Meinung nach kann man sich immer noch weiterbilden.

Wem würdest du den Bildungsgang Kirchliche Jugendarbeit persönlich empfehlen?

Allen Personen, welche mit Jugendlichen zusammen arbeiten. Meine persönliche Erfahrung hat mir gezeigt, dass man dazu neigt, zu stark auf das Religiöse fixiert zu sein. Die Ausbildung hat mir aufgezeigt, wie ich den Jugendlichen die Themen frei und locker vermitteln kann. Zudem erweitern die verschiedenen Module den eigenen Horizont. Alles in Allem kann man nur davon profitieren.

 

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